Mit einem perfekten Ablegemanöver, das aufgrund des hervorragenden Liegeplatzes und des vorherrschenden Windes wirklich nicht schwierig war, ging die Einhandseglerei endlich los. Der perfekte Wind bescherte einen tollen Segeltag und ich warf am frühen Nachmittag bei Vonitsa auf einen sehr guten Platz den Anker. Von weitem sah ich schon ein Gewitter mit Blitz und Donner aufziehen. Ich beobachtete es zwei Stunden und dachte mir: „Das zieht knapp vorbei“. Mit der Honey – meinem nigelnagelneuen super Schlauchboot –ruderte ich an Land auf einen Landeplatz, den ich vorher abgeschwommen und von Seeigeln gesäubert hatte. Plötzlich drehte der Wind und es peitschten hohe Wellen in die Bucht und auf den Booten wurden hektisch die Ankerketten verlängert und Fender ausgebracht. Ich ruderte bei heftigen Böen zurück und ein Engländer meinte, wenn das Gewitter kommt, könnten unsere Anker zu nahe beisammen liegen – lächerlich – aber um des Friedens Willen legte ich mich nochmals in die Mitte der Bucht um. Es begann es zu regnen, Blitz und Donner waren sehr nahe, aber das Gewitter zog als Streifschuss vorbei. Jetzt ruderte ein Engländer herbei und erzählte, er hätte seinen Anker mit 60 Meter Kette im Sturm verloren und vermutlich ankere ich über seiner Kette – na super. Ich fuhr trotzdem in die Stadt und sah mich im vollen Stadthafen um einen eventuellen Liegeplatz um.

Am nächsten Morgen sah ich den Engländer wieder nach seinem Anker kratzen und endlich hatte er ihn auch am Haken. Er bat mich ihm zu helfen und gemeinsam versuchten wir die Kette zu bergen. Jedoch musste er einsehen, dass reine Muskelkraft hier nicht ausreichte. Mit seiner Ankerwinsch gelang es dann die Kette zu fixieren und er mühte sich noch den ganzen Tag und nächsten Vormittag damit ab das Ankergeschirr zu bergen. Dann kam als Dankeschön für die Unterstützung eine Flasche Rotwein mit einem Dankschreiben an Bord und die Sache war erledigt.

Endlich gelang es mir die Festung von Vonitsa – mit EU-Mitteln aufwändig saniert und dann auch gleich darauf der Natur überlassen – im dritten Anlauf zu besichtigen. Keine Öffnungszeiten angeschrieben, keine Gebühren, kein Mensch zu sehen, aber das Tor war offen und ich marschierte über die mit Unkraut überwucherten Wege. Eine sehr eigenartige Stimmung, aber eine tolle Aussicht auf den Golf und die umliegende, sehr grüne und dichtbewachsene Gegend entschädigten für den schweißtreibenden Aufstieg. Dieser Teil Griechenlands zählt zu den niederschlagreichsten Gebieten – nach Süden zu wird es drastisch weniger.

 

Jetzt konnte ich immer den passenden Wind abwarten und ich segelte, da es gerade passte, nach Anaktorio. Unterwegs sah ich eine Delfinschule und genau hinter meinem Boot sprang ein mächtiges Tier mindestens 3 Meter aus dem Wasser. Leider hatte ich die Kamera nicht zur Hand, denn mit diesem Foto hätte man eine wirklich tolle Erinnerung. Nachdem ich mich zwischen Fischfarmen durchgeschlängelt hatte, erreichte ich die Bucht und ankerte in perfekter Position. Nach einem erfrischenden „Schwimmerl“ gab es verspätetes Mittagessen, wobei ich zufällig eine ziemlich große Schildkröte auftauchen und nach Luft schnappen sah. Wie ich später erfuhr, gibt es in der Bucht angeblich 14 Stück davon und auch die Delfine gehen in diesem Revier auf Jagd – das ist wirklich aufregend.

Am Abend ging ich eine große Runde und traf zufällig den Grazer Fredi,– der mich mit dem Roller in das nächste Dorf– Drimos mitnahm, wo wir in der besten Taverne ein Bier tranken und er mir nebenbei seine Lebensgeschichte erzählte – sehr interessant. Am Abend gab es noch ein Bier bei einem wiener und einem deutschen Pärchen (mit Wohnmobilen – Langzeitcamper – wirklich spannende Geschichten – sehr nette Leute).

Mein erster ernsthafter Angelversuch war leider von Erfolgslosigkeit gekrönt – aber mein Tag wird noch kommen.

Als der Wind auffrischte, beschloss ich den Standort zu wechseln.
Weiter ging es unter Segeln (auch das Ablegemanöver) nach Menidi, – wo ich nach dem Fußballmatch nach Mitternacht zum Boot zurückruderte. Mich traf fast der Schlag – mein Ankerlicht hatte 1 Million Gelsen angelockt – so viele Moskitos habe ich in den letzten 40 Jahren nicht gesehen. Ich flüchtete unter Deck und positionierte panisch im Finstern sofort das Fliegengitter und nachdem ich den Rucksack in der Hektik draußen gelassen hatte, wagte ich es nicht ihn reinzuholen. Einkauf, Zaster, Handy durch ein Gelsenheer von mir getrennt. Die Nacht war nicht witzig und das Gesumme sowie die Sticheleien waren nervtötend. Am nächsten Morgen waren die Gelsen noch immer da. Ich versuchte sie mit Polster, Strohhut und Handtuch zu vertreiben, ca. 200 hatte ich erschlagen und als ich dachte das Gröbste bereinigt zu haben, nahm ich endlich den Rucksack mit dem Frühstückscroissant und musste zu meinem Entsetzen erkennen, darunter waren nochmals hunderte von den Viechern. Jetzt war es genug – Anker rauf und von der Nordküste geflüchtet – die sieht mich nie wieder.

Jetzt ging es nach Süden in die Rugabucht, die mich schon beim Vorbeifahren angelacht hatte und sich als Haupttreffer entpuppte. Zuerst machte ich das Boot dicht – verklebte Türen, Lüftungskanäle und Schoten und machte den versteckten Stechmücken mit Insektenspray den Gar aus. Am Strand gab es eine sehr gemütliche Taverne, wo ich mir Wales / Belgien anschaute. Nachher plauderte ich mit einem wiener Werftbetreiber und seinen Freunden, einem Deutschen und einem Schweizer – beide Langzeitsegler mit (wie sollte es anders sein) tollen Geschichten. Weit nach Mitternacht ging es wieder mit der Honey an Bord – etwas anstrengend, da ich wegen der Gelsen mein Boot etwas weiter draußen geankert hatte. So lernt man eine ruhige Nacht ohne Stechmücken erst richtig zu schätzen.

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