Es war ein schöner Tag und die Windräder auf den umliegenden Bergrücken liefen auf Hochtouren.

Bedingt durch den böigen Südwind ankerte ich vor Agios Dimitrios in einer weitläufigen geschützten  Bucht.

Um 15:00 h war ich in der einzigen Taverne und wollte mir den GP von Monza anschauen aber da war kein geeigneter  Fernseher darum suchte ich eine Steckdose für den PC und konnte die Wetterberichte abrufen  sowie die  Fotos bearbeiten.

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Um  19:30 h ruderte ich an den nächsten Steg  und ging Abendessen. Da die Steckdose für den PC an den Tischen der  Innenreihe war hatte ich keinen direkten Blick auf das Boot.  Um 21:00 h  herrschte plötzlich Aufregung und  auch ich schaute was da los ist  –  meine  Andaria  stand in Flammen.

 

Ich lief in Panik zum Steg aber es war sicher unmöglich an die Bordfeuerlöscher zu  gelangen das Feuer  war zu heftig.  Ich wählte den EuroNotruf – 112 und erst einer netten Dame war es möglich dem Helpdesk die Position für Feuerwehr und Police )auf Griechisch)  zu erklären. Mit einen Fischerboot und ein paar Feuerlöschern fuhren wir zur Andaria  konnten aber nichts ausrichten – sie brannte lichterloh.  Einen herbeigerufenen  Jetski Fahrer gelang es durch gekonnte Manöver Wasser in das Boot  zu schwemmen / schleudern aber  da war es schon fast ausgebrannt. Zum Schluss versuchte es die Feuerwehr  aber da war  eigentlich nur noch der Rumpf und der Bug über.

Letztendlich wurde die Ankerkette durchtrennt und die Andaria  in Ufernähe auf Grund gesetzt.

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Ein Hotelbesitzer nahm mich mit und ich hatte ein Zimmer für die Nacht und wurde  auch noch von der Police einvernommen.

Ich hatte alles verloren: Boot, Papiere, Pass, Kleidung, Schuhe, Bücher, Kaffeemaschinen, Geschirr (original Vindoe Speiseservice-komplett), Medikamente, Toilettartikel, Flossen,  Taucherblrille, Sonnenbrillen, Lesebrillen,  2 NavigationsPC’s, , Bettwäsche (für 6 Personen), Schwimmwesten, Proviant, Werkzeug, , Seekarten, GPS-Geräte, Fernglas, Leinen, Segel,  all die vielen tollen Dinge die geschenkt bekommen habe,   ……………………….. – in den vielen Jahren hat sich einiges angesammelt und ich hatte auch viel investiert: neue Segel, Sprayhood, Ankerkette Niro; Tapezierung, Teppiche, und die aufwändigen Renovierungsarbeiten – siehe  Blog „Renovieren“ .

Jetzt saß ich da mit kurzer Hose, Tshirt , Sandalen,  Rucksack und dem Schlauchboot – unrasiert und ziemlich niedergeschlagen – als absoluter Pluspunkt muss aber die Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit der Griechen  erwähnt werden  –  ein Lichtblick.

Am nächsten Tag kam eine Sachverständiger der Versicherung und  wir sahen uns an was von der Andaria übrig blieb – sie lag komplett ausgebrannt auf der Seite und es züngelten noch kleine Flammen auf der Steuerborseite – mir war zum Heulen als die Reste meines  schönen Bootes sah.

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Dann ging es weiter zur FirePolice – wo es heftige Diskussionen gab da Professor, der die Übersetzung für das Protokoll machen sollte,  sich als nicht autorisiert  für die Unterschrift erklärte.  Nach stundenlangen  nervenden Verhandlungen dolmetschte eine nette Griechin und wir hatten auch diese Hürde bewältigt –  diese Situation zeigte wieder die bürokratischen Hürden in Griechenland auf.

Endlich am Flughafen, versuchte ich einen Flug zu buchen, ohne Pass ein    zeitraubender Spießrutenlauf   und auch mein Schlauchboot  war ein echter Problemfall.  Weder die Post noch sonstige Paketdienste  waren bereit es zu befördern – nur Aircargo  – aber da wäre die Gebühr  angeblich bei € 500,– gelegen.  Nach endlosen  Recherchen, leeren Kilometern, ergebnislosen Diskussionen und zähen Verhandlungen buchte ich BusinessClass Aegean (letzter freier Platz)   und mit toller Unterstützung der Österr. Botschaft in Athen  gelang es die Hürden (kein Pass)  zu überwinden. Zwei Nächte im Holiday Inn und viele Stunden am Flughafen verlangten schon  Einiges an Selbstbeherrschung.

Nach einigen Anläufen  hatte ich da Schlauchboot endlich abgegeben- –bei der Handgepäckskontrolle wurde noch ein Taschenmesser gefunden und entsorgt.  Erst  in der BusinessLounge trat eine gewisse Entspannung  ein – angenehme  Atmosphäre,  reichhaltiges Buffett und Internet.

Der Heimflug verlief sehr angenehm  und zuhause gab zum Abendessen  Gösser, Blunze und Apfelstrudel  –  Dinge welche in Griechenland kaum zu bekommen sind.

Der Wind ist aus den Segeln genommen und die Andaria liegt still.

Ahoi

 

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